Rezension der CD "Shake, Rattle & Roll"
erschienen in "Chorzeit – das Vokalmagazin", Januar 2016
www.chorzeit.de

(mit freundlicher Genehmigung des Verlages)

 

 

 

The Clash, The Beatles, Lou Reed u. a. SHAKE, RATTLE & ROLL

High Fossility

(Michael Betzner-Brandt)

Duo-Phon Zapp • Spieldauer 56:00

Passend zum Erscheinen des Chorbuchs mit Arrangements des Rock-Pop-Chores 60+ High Fossility ist auch die zweite CD dieses besonderen Berliner Ensembles unter der Leitung von Michael Betzner-Brandt erschienen. Das Gros der Zusammenstellung bilden Rock- und Popsongs der 50er und 60er Jahre, wobei gerade auch der Song «Einfach sein» von den Fantastischen Vier (2007) in einem ganz neuen klanglichen Gewand eine reizvolle Alternative zum Original darstellt.

Diese CD belegt erneut, dass für die Arbeit mit Älteren nicht unbedingt musikalische «Seniorenteller» notwendig sind. Vielmehr zeigen diese Aufnahmen, dass gelungene Arrangements, die auf die stimmliche Disposition im Alter Rücksicht nehmen, und Authentizität dazu beitragen, dass ältere Stimmen bei der Interpretation populärer Stile zur Geltung kommen. Trotz der Rücksichtnahme auf die älteren Stimmen braucht es keinen «Seniorenbonus» beim Einschätzen der musikalischen Qualität. High Fossility glänzt durch einen authentischen und stilechten Chorklang, wobei vor allem die vielen charakterstarken Soli positiv hervortreten. Gerade diese Passagen gehen besonders zu Herzen, weil die vielen unterschiedlichen Solistinnen und Solisten trotz ihrer markanten und teils kantigen Stimmen den Songs ihrer Jugend eine ganz eigene Note verleihen.

Viele Songs sind kreativ gestaltet und machen den Ensembleklang eines nicht-professionellen, aber guten Laienchores – auch durch die solistischen Leistungen – mehr als wett. Aufgewertet werden viele Stellen durch charmante Ideen wie Windgeräusche bei «The Dock of the Bay» (Otis Redding) oder den Einsatz eines Kazoos in «Daydream» (The Lovin’ Spoonful).

Ein kleines Manko ist das etwas dürftige Booklet mit nur einer kurzen Einführung und der Tracklist, aber bei dem günstigen Kaufpreis ist dies zu verschmerzen. Böse Zungen würden den Seniorenchor-Klang oder die nicht immer hundertprozentige Intonation kritisieren. Es überzeugen jedoch vielmehr der berührende Charakter und die interpretatorische Leidenschaft, so dass diese Faktoren die kritikwürdigen Passagen bei Weitem überstrahlen.

Gewinnbringend und zum Schmunzeln anregend sind besonders die neu getextete Version von «Get Up, Stand Up» von Bob Marley im «Neukölln-Reggae » sowie die Verzahnung von «Should I Stay or Should I Go» und Volksliedern wie «Muss i denn zum Städtele hinaus» oder «Die Gedanken sind frei». Allein schon diese «unerhörten» Versionen legitimieren einen gut bewerteten Repertoirewert!

Diese CD bereitet viel Vergnügen und lässt hoffen, dass sich auch viele andere Junggebliebene auf neue musikalische Pfade begeben! Das Projekt High Fossility leistet einen tollen Beitrag zu einem positiven Image von Seniorenchören und macht neugierig auf die Entwicklung der kommenden Jahre.

Kai Koch

Ensembleklang ****
Interpretation *****
Repertoirewert ****

---------------------------------------------------------

 

chorzeit nr.4 - april 2014: Rezension zum Buch von Nadja Klinger "High Fossility"

30.06.2014 Der Tagesspiegel "Wem kein Gesang gegeben"

27.05.2014 Süddeutsche Zeitung " Träume vom Singen und vom Schreiben"

01.06.2010 Berliner Chorspiegel: "Rockchor für gereifte Persönlichkeiten"

05.06.2010 taz: "Der Professor trifft den Kiezton"

21.06.2010 Der Tagesspiegel: "Die Altstimmen"

01.10.2010 neue chorzeit: "Wie klingen lila Pumps"